Fastelovend in der "Steueroase Düx"

Köln. Sonne, Strand und Ruhe vor dem Finanzamt – diese Vorzüge bieten Steueroasen wie die britischen Kaiman-Inseln gut betuchten Menschen, die ihr Geld an der Steuer vorbei ins Ausland schaffen wollen. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn man all das auch in Kölle haben kann, denkt sich Schäl und funktioniert den Strandclub am Deutzer Rheinufer zur „Steueroase Düx“ um.

Hier gibt es Palmen und weißen Sand, und man ist vor dem Fiskus sicher, weil – so Schäl – „die Beamte vum Finanzamp Ost sowieso die janze Zick beim Lommerzheim an d’r Thek stonn“. Außerdem bekommt man ein buntes Karnevalsprogramm geboten, das Schäl mit dem Geld finanziert , das seine Kunden in der „Stiftung Frohsinn“ anlegen.

Türke Aslan erklärt Richmodis-Sage

Steuerflucht und Strandclub – mit diesem Rahmen hat das Hänneschen-Theater ein aktuelles und charmantes Motto für die diesjährige Puppensitzung „Steueroase Düx“ gewählt. Die Ensembleproduktion, die am Donnerstagabend Premiere feierte, entstand nach einer Idee von Walter Oepen, der erstmals den Sitzungspräsidenten Schäl spielt. Inszeniert wurde sie von Intendantin Frauke Kemmerling.

Vor der liebevoll gestalteten Kulisse mit Rheinpanorama, Strandbar, Sonnenschirmen und Heizstrahlern (Bühnenbild: Ralf Bungarten und Markus Henn) präsentiert Schäl eine gut dreistündige Nummernrevue mit vielen witzigen Sketchen und Liedern, und wie immer wird alles live gespielt (musikalische Leitung: Wolfgang Schmitt). Nach einigen Längen am Anfang steigert sich das Programm.

Zu den Highlights im ersten Teil zählt ein Auftritt von Willy Millowitsch, der sich im Himmel darüber aufregt, dass die Stadt sein Bronzedenkmal vom Eisenmarkt in die City versetzen will. „Han die nix Besseres zo dunn?“, fragen die Engel. Später soll Speimanes dem Fernsehkoch Johann Lafer helfen, ein Kochbuch über die Rheinische Küche zu schreiben. Klasse ist der Auftritt von Udo Müller als Türke Aslan („Ich komme Ehrenfeld“), der den verdutzten Umstehenden mal „voll krass konkret“ die kölsche Richmodis-Sage verklickert. Am Schluss schauen zu orientalischen Klängen zwei Kamele aus dem Treppenturm. Für viele Lacher sorgt auch der Auftritt der Steuerflüchtlinge Jupp Cäsh vom Cäsh-Fonds, Freiherr vun Poppenrhein von der gleichnamigen Bank sowie Madeleine Dickepanz („Die zwei han mich bedresse.“).

Nach der Pause geht die Show mit einem kölschen Lieder-Potpourri weiter, was das Publikum sofort zum Mitsingen und Mitschunkeln animiert. Davon hätte man ruhig mehr bringen können. Originell ist das Krätzje von „Quetsch & Flitsch“, die das mittelalterliche Stapelrecht umdeuten und ihre unbezahlten Rechnungen stapeln. Für die meiste Heiterkeit im Saal sorgt schließlich ein Sketch um einen Mann, dessen Frau versucht, Blockflöte zu lernen – einfach herrlich.

Die weiteren Vorstellungen sind bereits ausverkauft.