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Premiere: „Schälock Holmes“ ist der erste Krimi im Hänneschen-Theater

Köln - Ganz Knollendorf ist im Krimifieber. Schäl fühlt sich als Privatdetektiv ganz in der Tradition seines englischen Vorbildes Sherlock Holmes, Hänneschen – einmal ganz ohne rot-weiße Zipfelmütze – mimt dessen Gehilfen Dr. Watson, Marizzebell will nur noch als Miss Marple angesprochen werden und verdonnert Ehemann Nikela zur Rolle des Mr. Stringer.

Selbst Speimanes und Tünnes erhielten mit Herman und Anthony englische Namen verpasst.
Seicht und hausbacken

Doch „Schälock Holmes“, der erste Krimi im Abendprogramm der Stockpuppenbühne, kommt nach einem turbulenten und vielversprechenden Anfang nach der Pause doch etwas seicht und hausbacken daher.

Da hat die Geschichte so einige Längen. Und bei den wenigen Fällen, die das schlecht laufenden Detektivbüro zu lösen hat, dreht es sich dann um Fremdgehen und Fisternöllchen.

Die Täter und Fremdgänger sind in dem von Frauen auf die Puppenbühne gebrachten Stück ausschließlich Frauen: Autorin ist Alice Herwegen, Referentin an der „Akademie för uns kölsche Sproch“, Hänneschen-Intendantin Frauke Kemmerling hat Regie geführt.

Ein denkbarer Ansatz, der nicht ausgereizt wird. Da hätte man schon ein paar pfiffige Ideen mehr erwarten können. Und so fiel der Schlussapplaus des Premierenpublikums im Vergleich zu den Vorjahren eher verhalten aus.
Idee ist schon viele Jahre alt

Der angebliche Mord und die Leiche sind gleich doppelt inszeniert. Einmal will sich eine vom Schäl enttarnte „Fremdgängerin“ am Knollendorfer Meisterdetektiv rächen, einmal präsentiert der Schäl selbst den zuvor beim Mählwurm entwendeten Nubbel als Leiche, um das Geschäft seiner Detektei anzukurbeln.

Doch warum zum Finale Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes im Puppenformat eine „Kommissar Kleefisch“-Skulptur enthüllt, bleibt etwas unklar.

Vielleicht sind Teile des Handlungsfadens ja auch im Laufe der Jahre verloren gegangen, denn die Idee für ein „Kriminalstöck us Knollendorf“ hatte die Autorin Herrwegen schon vor etlicher Zeit. „Das fertige Manuskript liegt bei mir daheim in irgendeiner Schublade. Ich weiß nur nicht mehr in welcher.“

Daher hatte sie das Stück noch mal neu geschrieben und aktualisiert – und um eine recht witzige Jagd nach Pokémon im Königsforst durch die Knollendorfer Pänz Röschen und Köbeschen ergänzt.

„Es ist immer ein Gesamtkunstwerk“, sagte Intendantin Kemmerling zum Auftakt und verwies – zu Recht – auf ein wunderbares Bühnenbild, herrliche Schauspieler und eine tolle Band. Und die von Jura Waida geleitete Hänneschen-Kapelle hatte reichlich Einsätze – hinter und vor der Britz. Denn mehrfach erscheinen die Musikanten als Pöppcher unverhofft im Bühnenbild, um gesanglich die Handlung zu kommentieren.
„Tatort" mischt sich mit „Mission Impossible"

Und zum Umbau vor dem Schlussakt stehen die Musiker gar vor dem Vorhang, um mit dem Publikum zu singen. Da mischen sich die Titelmelodien aus dem „Tatort“ und aus „Mission Impossible“ mit dem „Kriminal-Tango“ und dem Uralt-Schlager „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“.

So richtig gelungen ist auch die bissig melancholische Version des Dschungelbuch-Klassikers „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ – ein wunderbarer Chor der Waldtiere.

Schälock Holmes, e Kriminalstöck von Alice Herrwegen wird bis zum 30. Oktober und dann nochmals vom 22. April bis zum 23. Juni 2017 im Hänneschen gezeigt. Eintrittskarten kosten 19,50 Euro. Vorbestellungen unter Telefon 0221/2581201 (jeweils Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 14 Uhr).

 

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