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„Aapethiater“ Neues Stück im Hänneschen-Theater feiert Premiere

Erstellt 23.08.2015

Das neue Abendstück „Aapethiater“ des Kölner Hänneschen-Theaters hat Premiere gefeiert - mit Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach im Publikum. Ob sie sich dort Anregungen für das Weiterkommen im Opern-Fiasko geholt hat? Das Stück hat zumindest überzeugt.  Von Norbert Ramme

Köln. Kann das Hänneschen Vorbild für Entwicklungen in der Kölner Kulturlandschaft sein? Davon sind zumindest die meisten Besucher der Premiere des rundum gelungenen neuen Abendstücks „Aapethiater“ überzeugt. In den Holzbänken am Eisenmarkt saßen Zoodirektor Theo Pagel und Kölns CDU-Chef Bernd Petelkau, Rosenmontags-Zugleiter Christoph Kuckelkorn, die Sänger Ludwig Sebus und King Size Dick, Künstlerin Gerda Laufenberg und erstmals auch Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach. In dem (mit Pause) drei Stunden langen Stück mit einer Vielzahl witziger Details und lustiger Schimpfkanonaden kommt die Rekordzahl von 68 verschiedenen Puppen zum Einsatz. Dafür gab es zwischendurch immer wieder Szenenapplaus, zum Abschluss anhaltenden Beifall und stehende Ovationen.

Anspielungen auf aktuelles Geschehen in Köln


Überspitzt dargestellt finden sich in dem von Puppenspieler Udo Müller geschriebenen und von Intendantin Frauke Kemmerling inszenierten Stück reichlich Anspielungen auf aktuelle Ereignisse in der Stadt. Da geht es um die Situation freier Theaterbühnen, die um städtische Subventionen kämpfen und von Pleiten und Schließungen bedroht sind. Letztendlich wird auch gezeigt, wie ein Theater überleben kann, obwohl die Spielstätte nach einem Brand nicht mehr zur Verfügung steht. Die Knollendorfer finden eine Ausweichspielstätte im „Roten Mops“ – ein Bordell.

Schäl als Betreiber eines insolventen Theater

Doch solch eine Anregung wird von der Kulturdezernentin wohl genauso wenig aufgegriffen wie die Versuche, trotz Pleite finanziell zu überleben. Nachdem er zunächst von zwei Kirmesschlägern verprügelt wurde, lässt sich Schäl – überzeugend dargeboten von Werner Schlangen – als Betreiber eines insolventen Theaters auf einen Deal mit einer stadtbekannten Rotlichtgröße ein. Die kommt für die ausstehenden Schauspieler-Gagen auf und darf dafür im Requisitenkeller eine Cannabis-Plantage anlegen. Das ist selbst dem gewieften Schäl nicht geheuer. „Ich habe ja schon so manche Gaunerei mitgemacht, aber Drogenhandel?“ Letztendlich willigt er ein. „Ist mir doch egal, ob ich in den Himmel oder in die Hölle kommen. Ich habe auf beiden Seiten Freunde.“ Doch ehe das Marihuana in den Handel gelangen kann, brennt die verbotene Plantage samt dem Theatergebäude während einer recht erfolgreichen Premiere ab und benebelt die (nicht sichtbaren) Zuschauer auf der Puppenbühne. Zuvor hatten nur Maritzebell und Zänkmans Kätt, die die grünen Pflanzen für eine exklusive Teesorte hielten, sich ein Tässchen gegönnt und waren daraufhin zeitweise leicht durchgeknallt umhergeschwebt.

Beifall für die Hänneschen-Band


Viel Beifall auch für die Lieder – wunderschöne kölsche Versionen von Franks Sinatras „Me And My Shadow“ bis hin zu Katja Ebsteins „Theater, Theater“ – und die Begleitmusik durch die Hänneschen-Band. In einer Umbaupause präsentierten sich die fünf Musiker mit einer Jazz- und Swingversion des Höhner-Klassikers „Echte Fründe“ vor der Britz. Das hatte es zuvor auch noch nie gegeben.

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