Conchita Wurst und die schöne Glitter-Woosch

Premiere der Puppensitzung im Hänneschen-Theater

Conchita Wurst und die schöne Glitter-Woosch

Erstellt 11.01.2015 Die Puppensitzung im Hänneschen-Theater feierte am Wochenende Premiere. Statt zu lamentieren, stellt sich das Hänneschenensemble mit unerschöpflichem Witz dem viel kritisierten Sessionsmotto „social jeck – kunterbunt vernetzt“. Von Bernhard Krebs

Köln. Den ersten Szenenapplaus gibt es nach wenigen Augenblicken: Allerdings nicht für eine Szene, sondern für die Szenerie selbst. Der kleine Platz mit dem Ostermannbrunnen in der Mitte der Bühne (Ralf Bungarten und Markus Henn) mit Figuren aus Willi Ostermanns Liederwelt: en Katz, et Stina, et Billa und Herr Schmitz sucht immer noch si Fräuche. Sogar Willi Ostermann selbst tritt auf und wird huldvoll von seinen Figuren gegrüßt. Währenddessen bekommt das bereits tosende Publikum ein flott arrangiertes Medley aus Ostermannklassikern vom musikalischen Leiter Jura Wajda – der für den erkrankten Wolfgang Schmitt die Hänneschen-Band leitet – präsentiert.

Statt zu lamentieren, stellt sich das Hänneschenensemble in seiner Puppensitzung kreativ und mit schier unerschöpflichem Witz dem viel kritisierten Sessionsmotto „social jeck – kunterbunt vernetzt“. Gut, aus dem Social Jeck wird kurzerhand der „Wooschel Jeck!“ (Regie Frauke Kemmerling), aber das ist den Umständen geschuldet. Immerhin geht es bei der Puppensitzung traditionell um die Wurst. Apropos Woosch: Die wird in diesem Jahr – schön mit Strasssteinen und Glitter verziert – von keiner geringeren als Conchita Wurst (Charly Kemmerling) mit dem Song „Ess kein Scheiss, gar kein Vieh – nix“ (Rise like a Phoenix) präsentiert.

Einer der Höhepunkte der Sitzung ist die Rede vom Schäl (Walter Oepen), der neuerdings mit seinem „Läpschtop“ online ist. Google, Twitter und Skype, für den Schäl mittlerweile eher zweite Haut als Problem. „Met TIN un PAN en et Online Banking enjelogg“ begleicht er mittlerweile sogar seine Schulden. Aber auch abseits des World Wide Web macht sich Schäl seine Gedanken. Ein brauchbarer Ratschlag für die Politik: Verkehrsminister sollte ein Zahnarzt werden, „die künn am besten Brücken sanieren“.

„Assiteet“ wird Schäl natürlich auch diesmal wieder vom Speimanes (Charly Kemmerling), der sich spuckend durch den Abend stottert und von einem „katholischen Steinschlag“ vom Dom zum Leben erweckt wird. Schwer ans Arbeiten kam in diesem Jahr die Puppenabteilung des Hänneschentheaters unter der Leitung von Bärbelchen Elfriede Bauer. Mit ihren Kollegen hat sie 80 Puppen hergestellt und neue Kostüme geschneidert – das alles für für die knapp dreistündige Sitzung.

Ein rasanter und musikalischer Abend mit intelligenten Witzen und Wortspielen, aber natürlich auch jeder Menge derber Zoten. Bravo Hänneschen! – fand auch das Premierenpublikum.

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