Conchita Wurst als Woosch-Botin im Kölner Hänneschen

Puppensitzung-Premiere

Conchita Wurst als Woosch-Botin im Kölner Hänneschen

Conchita Wurst veredelt die jecke Flönz, Willy Millowitsch dichtet Helene Fischers „Atemlos“ um und Schäl nimmt traditionell die Politik aufs Korn - die Puppensitzung im Hänneschen hat am Samstagabend Premiere gefeiert.  Von Norbert Ramme

Köln. Es geht um die Wurst – oder besser gesagt um die Woosch. Denn die gehört nun einmal als fester Bestandteil zur Puppensitzung im Hänneschen. Doch die Woosch musste erst herbei gebracht werden – von einer Wurst. Von Conchita Wurst, die als Teil des österreichischen Zweigs der weltweiten Wurst/Woosch-Familie die kölsche Flönz mit Strass-Steinen und Glitter veredelt und als Handtäschchen zum Eurovisions-Contest mitgenommen hatte.

Im Puppenformat erschien Conchita nun in der wunderschön gestalteten Kulisse des Altstadt-Plätzchens rund um den Ostermann-Brunnen. Doch da machten Schäl und Speimanes kurzen Prozess. Ein schnelles Liedchen, dann wurde ihr die Woosch abgenommen und Conchita in den Brunnen geschmissen. An solch einer deftig-kölschen Lösung hatte auch das Premierenpublikum – darunter reichlich Prominenz aus der Stadt – Spaß. Schließlich war man gekommen, um mit dem Manes zu rufen: „Herr Präsident – die Wooooooosch.“

Es ging um die Woosch - bei der Puppensitzung am Samstagabend im Hänneschen-Theater: Die rund drei Stunden Programm erwiesen sich weniger als traditionelles Sitzungsformat, sondern eher als eine Art jecke Momentaufnahme – äußerst kurzweilig und unterhaltsam. Conchita Wurst brachte die Wurst - mit Strass-Steinen und Glitter veredelt. Willy Millowitsch hatte als Denkmal seinen großen Auftritt: Atemlos durch die Stadt“.

Die rund dreistündige Poppesitzung – die Regie lag bei Intendantin Frauke Kemmerling – erwies sich weniger als traditionelles Sitzungsformat, sondern eher als eine Art jecke Momentaufnahme – äußerst kurzweilig und unterhaltsam. Da tanzten die Figuren des Ostermann-Brunnes teilweise leibhaftig im Puppenformat umher. Der „brunge Jupp“ im Bademäntelchen aus dem Sauna-Club (Jupp Schönberg) will mit zwei leichtbekleideten Leckerchen in den Whirlpool, ein Junggesellenabschied zieht stumpfsinnige Ballermann-Liedchen grölend durch die Altstadt und ein türkischer Reiseführer („Ich bin Aslan. Komme Ehrenfeld“), gespielt von Udo Müller, erklärt einer Touristengruppe in krassem Deutsch den Ostermann. Aber die verwechseln Willi mit Willy und denken an Millowitsch, der denn auch als Denkmal seinen Auftritt hat: „Atemlos durch die Stadt“.

80 neue Puppen

Dann treffen sich Putzfrauen (Silke Essert) zum Fläschmop, der „schräge Willi“ liebt die Frauen in Teilzeit („Walk on the wild side“), Straßenmusikanten besingen den Klimawandel und ein Kehrmännchen (Georg Lenzen) räumt auf: „Orange – trägt nur die Müllabfuhr.“ So viele unterschiedliche Figuren und Typen tummelten sich schon lange nicht mehr auf der Hänneschen-Bühne. 80 Puppen wurde neu hergestellt, die zugehörigen Kostüme geschneidert und die Köpfe geschminkt.
Dazu haben die Puppenspieler ihre Solo-Auftitte. Schäl (Walter Oepen) sorgt mit einem Prolog für Lacher und zieht über Ereignisse in der Stadt und über die große Politik her. „Fragt der Schäuble seinen Chauffeur: »Was würden Sie machen, wenn ich Ihnen 1000 Euro schenken würde?« »Nachzählen!«“

Speimanes (Charly Kemmerling) singt eine Liebesschnulze und das Hänneschen (Jacky von Guretzky-Cornitz) einen Schunkelwalzer mit eleganten Tanzszenen garniert. Maritzebell (Steffi Brands) wirbelt im Salsa-Rhythmus umher und der Knollerndorfer Nachwuchs, die kleinen Köbeschen und Rösjen, schmetterten als Trojaner und Killerviren zum Wannabe-Hit: „Mer künne noch mieh“- im Original von Lenka „Everything at once“.

Die Musik steuert eine hörbar gut aufgelegte Hänneschen-Band bei, die von Jura Wajda geleitet wird, der erst kurzfristig für den erkrankten Kapellmeister Wolfgang Schmitt eingesprungen war. Und Wajda hat auch ein furioses Finale zusammen gestellt. Da tauchten die schönsten Figuren aus der Show nochmals mit einer Kurzeinlage auf. Das gab es bislang im Hänneschen noch nie – war aber so richtig schön.

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