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Ich geh’ am Stock
Personalnot im Hännesche! EXPRESS-Reporterin stieg hinger d’r Britz

Von DENISE KYLLA

 

Köln –  

Das Kölner „Hänneschen“ hat ein Nachwuchs-Problem: Nach einem Todesfall und einer Pensionierung braucht das Theater dringend neues Personal. Kölsch sprechen, die Figur bewegen, singen – EXPRESS Volontärin Denise Kylla machte den Selbsttest: So schwer ist Puppenspielen op Kölsch!

Meine Hände zittern. Ich halte mich an einem Blatt Papier fest. Darauf zu lesen: „En unserem Veedel“. Das Lied von den Bläck Fööss ist der erste Teil meiner „Aufnahmeprüfung“ für das „Hänneschen“. Singen konnte ich noch nie. Jetzt auch noch auf Kölsch: „...denn he, hält m'r zosamme.“ Krumm singe ich, und wenig heimatlich - oje!

Wolfgang Schmitt (51), musikalischer Leiter, begleitet mich am Klavier. Auch „Tünnes“-Puppenspieler Udo Müller (53) eilt mir zur Hilfe. Er ist seit 23 Jahren dabei, rettet mit seiner schönen Stimme meinen bescheidenen Auftritt. Das mit dem Kölsch muss ich wohl noch üben. Neuer Versuch, neues Glück beim Puppenspielen. Unterricht bekomme ich von Elfriede Bauer (55), die seit drei Jahren das Bärbelchen spielt. „Beweg’ den Arm der Puppe so, wie du deinen eigenen bewegen würdest“, erklärt sie.

Wenn das so einfach wäre! Mit der linken Hand halte ich den Stab, an dem Bärbelchen befestigt ist, fest. Er darf den Boden nicht berühren. Das Gewicht: 2,5 Kilo. Schon nach einer Minute zittert mein Arm – ich habe zu wenig Kraft.
Mit meiner rechten Hand führe ich Bärbelchens Arm. Der ist durch einen Stab verlängert. „So wie ich meinen eigenen halten würde“, schießt es mir durch den Kopf. Aber wie halte ich ihn denn sonst? Wahnsinn, was ein Puppenspieler alles können muss…
Jeder, der mitspielt, ist übrigens auch hinter den Kulissen tätig. Elfriede kümmert sich um die Puppenabteilung: Einkleiden und Bemalung der Figuren. „Wir haben ungefähr 400

Köpfe und 6000 Kleidungsstücke“, sagt sie. Anmalen von Köpfen – das wäre wohl eher etwas für mich! Denn ganz ehrlich: Das Puppenspiel fällt mir ganz schön schwer.

Frauke Kemmerling (47), Intendantin des Theaters, hat Verständnis dafür: „Kölsch zu sprechen und dabei die Puppe spielen, das fällt den meisten, die anfangen, schwer“, erklärt sie. Gerade wegen der „Kölschen Sproch“ sei es auch so schwer Nachwuchs zu finden.

Mein Fazit: Die wahre Kunst ist es, die harte Arbeit hinter den Kulissen und während des Spiels leicht aussehen zu lassen. Das schafft das Team bei jeder Aufführung. Hut ab!