Neue Spieler für das Hänneschen

Innenstadt . Am Dienstagmittag haben im Hänneschen-Theater die Proben für das Weihnachtsmärchen „Kreppche em Zoo“ begonnen. Dabei griffen zwei Neulinge im Ensemble erstmals zu den Stockpuppen. Katja Solange Wiesner (40) und Georg Lenzen (47) hatten bei mehreren Vorsprechrunden überzeugt und wurden von Puppenspiel-Intendantin Frauke Kemmerling eingestellt. Mehr als 30?Kandidaten hatten sich für die beiden freien Stellen im Ensemble beworben. Peter Ulrich (Schäl) hat sich im Sommer, Ingrid von der Lohe (Zänkmanns Kätt) Ende Oktober in den Ruhestand verabschiedet.

Ihre Nachfolger sind in der Theater- und Karnevalsszene schon seit Jahren bekannt. Solange Wiesner galt als Mitbegründerin und Präsidentin der Immisitzung als die Entdeckung der alternativen Karnevalsszene, Lenzen hat mit Willy Millowitsch und Dirk Bach Volkstheater gespielt. „Ich sehe mich nicht so sehr als Rampensau“, begründet Solange Wiesner den Wechsel von der Karnevalsbühne hinger de Britz. „Ich spiele sehr gerne. Und das demnächst auch hier, wo man mich nicht sieht.“

Das Hänneschen kannte die Sitzungspräsidentin mit Vater aus Kamerun und Mutter aus Köln („Ich bin e kölsch Mädche. Mer süht et nur nit tirek“) bis zu ihren Vorsprechterminen nur aus dem Fernsehen. „Mit meiner Oma habe ich regelmäßig an Karneval die Puppensitzung verfolgt.“ Doch an der „wohl kölschesten Institution überhaupt“ sucht die Schauspielerin, in in den vergangenen Jahren schon im Art-Theater, bei Casamax und bei „Comic on“ auf der Bühne gestanden hatte, eine neue Herausforderung.

„Das Hänneschen ist etwas komplett anderes. Wie eine große Oper im Kleinen. Und man steht immer im Weg“, hat sie nach der erste Proberunde festgestellt. Sie will ihr „Rampensau-Verhalten“ auf die Puppe übertragen und ihre kölsche Sprache weiter verfeinern. Im Weihnachtsstück darf sie ein Engelchen spielen. Was auch sonst? In der nächsten Puppensitzung wird sie wohl auch singen. Intendantin Kemmerling: „Beim Vorsprechen hat sie mit einer Soulversion des Bläck-Fööss-Klassikers vom Veedel alle begeistert.“ Doch die Präsidenten-Rolle wird sie „definitiv nicht“ übernehmen. Dabei ist diese seit dem Ausscheiden Ulrichs, der viele Jahre als Schäl die Poppe-Setzung geleitet hatte, ebenfalls vakant.

Langfristiges Engagement geplant

Solange Wiesner: „Aber die ist mit dem Schäl besetzt. Und den übernimmt künftig Walter Oepen.“ Nicht jedoch im Weihnachtsmärchen, denn da hat der Schäl als Zoodirektor nur eine kleine Rolle – ein guter Einstieg für Neuling Lenzen. Der freut sich sichtlich. „Hier kann ich mich mal vorrangig auf die Stimme konzentrieren.“ Für den gelernten Schauspieler und Vater von drei Söhnen (elf,14 und 20 Jahre) war das Hänneschen schon zu Kindertagen die erste Theatererfahrung. „Meine Großeltern haben mich stets mitgenommen.“

Derzeit hat er noch ein Engagement am Horizont-Theater, als Bürgermeister in „Ihre Version des Spiels“ von Yasmina Reza. „Die haben das Stück in den kommenden Monaten auf Montag und Dienstag gelegt, dann ist an der Puppenbühne spielfrei.“ In der Type eines „Klüngelbruders“ und zuletzt eines „Kehrmännchen“ hatte Lenzen versucht, sich im Karneval durchzusetzen. „Dieses Experiment im Rahmen der Rednerschule des Festkomitees habe ich erst einmal abgebrochen.“

Schließlich ist das Engagement bei den städtischen Puppenspielen – trotz eines zu überstehenden Probejahres – für beide langfristig angelegt. „Da sehe ich mein Zukunft“, sagt Solange Wiesner, die hinter den Kulissen weiter der Immisitzung („Jeder ist ersetzbar“) verbunden bleiben will. Gegenwärtig schreibt sie noch Texte für die kommende Session. Zudem träumt sie weiterhin von einer Fernseh-Rolle: „Tatort-Kommissarin wär’ schon was. Oder auch mal eine Mörderin in einem Tatort-Krimi.“