Das Hänneschen wird zur Steueroase

Köln. Der Schäl als eifriger Macher und Finanzjongleur einer Steueroase, Speimanes als Buchautor („Ming Levve is mir Woosch“) und ein Willy Millowitsch, der im Himmel so richtig Rabatz macht. So startet die Puppensitzung im Hänneschen zum Motto „Steueroase Düx“. Puppenspieler Walter Oepen, der erstmals als Schäl die Sitzung präsidiert, hatte die Idee und steuerte viele eigene Texte und Lieder bei. Den vielen Superreichen, die keine Steuern zahlen wollen und ihr Geld lieber in Luxemburg oder Liechtenstein horten, wollte man in Köln eine Anlage-Alternative bieten. So wurde der Beach-Club am Tanzbrunnen, der mit Sand, Strandbar und Palmendekoration ja schon wie eine Oase wirkt, zur „Steueroase“ umfunktioniert. Die Schönen und Reichen dieser Welt können dort ihr Geld verbuddeln oder auch in die von Schäl und Speimanes gegründete Stiftung „Frohsinn“ einbringen. Aus den Erträgen wollen diese ihr Sitzungsprogramm finanzieren und zudem Zugleiter Christoph Kuckelkorn noch die Musikkapellen im Rosenmontagszoch bezahlen. Die Puppenbühne kann ja so einiges, was die großen Sitzungen nicht schaffen. Da werden viele Promis, darunter auch längst Verstorbene, im Puppenformat präsentiert. So quatscht Daniela Katzenberger mit den TV-Moderatoren Jean Pütz und Ranga Yogeshwar, und der Limburger Protz-Bischof Tebartz-van Elst taucht mit der Flönz als Heiligenschein auf. Es gibt eine gesungene Kochshow mit den Fernseh-Starköchen Johann Lafer und Horst Lichter sowie eine hitzige Diskussion zwischen Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Borussia Dortmund-Trainer Jürgen Klopp. Und auch Willy Millowitsch beklagt im Chor mit einigen Engeln den geplanten Umzug seines Denkmals weg vom Eisenmarkt. Dazu wurde gesungen: „Et jitt doch andere Saache, die wichtijer sin“.

Blick in die Zukunft.

Weitere Höhepunkte sind das Gesangsquartett Colorationshäupter („Negerköpp darf man ja nicht mehr sagen“), die recht prollige Nacherzählung und Erklärung der Richmodis-Sage durch den kölschen Türken Aslan („Ich komme Ehrenfeld“) – dargeboten von Udo Müller –, sowie das Zwiegespräch einer Oma mit ihrer Enkelin zum Telefon-Sex (Steffi Brand und Silke Essert). Wunderbar auch das Lied von der „Blockfleut“. Ein geplagter Ehemann (Stefan Mertens) berichtet, dass seine Frau zu ihrem Geburtstag an Neujahr als Geschenk vom Schwager eine Blockflöte erhalten habe und nun den ganzen Tag schief und falsch „Am Dom zo Kölle“ und das gesamte Repertoire von Höhnern, Räubern und Nikuta übe. Aber die Revanche stehe schon in der nächsten Woche an. Dann habe die Frau des Schwagers Geburtstag, und dafür habe er schon das passende Geschenk besorgt: eine decke Trumm. Zwischendurch wagt Schäl auch einen Blick in die Zukunft des Karnevals und lässt das Publikum anstatt „Kölle Alaaf“ mal „Klick! Gefällt mir“ rufen. Aber so etwas will auf Dauer doch wohl keiner.

Für die dreieinhalbstündige Ensemble-Produktion unter der Regie von Intendantin Frauke Kemmerling gab es vom Premierenpublikum – darunter reichlich kölsche Prominenz – viel Beifall. So schunkelten auf den Holzbänken Tommy Engel, King Size Dick und Ludwig Sebus, Ex-OB Fritz Schramma und Fortuna-Präsident Klaus Ulonska, Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher und Bömmel Lückerath von den Bläck Fööss: „Ich bin zum allerersten Mal auf einer Puppensitzung. Bisher hatte das terminlich nie geklappt, und mir gefällt es richtig gut.“

Alle Puppensitzungen bis 1. März sind schon ausverkauft.

Quelle: Kölner-Stadt-Anzeiger