Die Bläck Fööss im Puppenformat

Das neue Stück im Hänneschen-Theater glänzt mit gut einem Dutzend Lieder der Bläck Fööss, derben Dialoge und Schimpftiraden. Das Premierenpublikum war begeistert vom neuen musicalartigen Stück.

Köln – „Das war ganz großartig. Herzerfrischend auf hohem Niveau. Derart derbe Dialoge und Schimpftiraden hört man doch nur noch im Hänneschen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht“, sagte Bömmel Lückerath. Das Premierenpublikum – darunter Ex-Hänneschen-Chef Heribert Malchers, Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen, Ludwig Sebus, Fortuna-Präsident Klaus Ulonska und Bürgermeister Franz Wolf – war ähnlicher Meinung und feierte das neue Hänneschenstück mit lang anhaltendem Applaus und „Bravo“-Rufen. Mit „Lück wie ich un do“ haben Puppenspiel-Intendantin Frauke Kemmerling und ihr Stellvertreter Udo Müller – der Darsteller des Tünnes hat erstmals ein Abendstück geschrieben und gleichzeitig auch Regie geführt – einen echten kölschen Knaller hingelegt.

Rund um einige Dutzend Lieder der Fööss war ein musicalartiges Stück rund um Klüngel, Knatsch und Korruption entstanden mit, so Lückerath, „Drecksäcken, Spekulanten und liebenswerten kölschen Typen“. Zum Abschlusssong marschierten dann auch die Fööss im Puppenformat auf. Die Figuren der Musiker zählen  zwar schon seit den 80er Jahren zum Fundus der Puppenbühne, waren aber für dieses Stück, so Kemmerling, „generalsaniert und aktualisiert“ worden. Das Gesicht von Erry Stoklosa wurde etwas dicker Gemacht, Peter Schütten ist nun ergraut und hat  mehr Falten im Gesicht und Hartmut Priess verfügt jetzt über dünn gewordenes, weißes Haupthaar. „Das sind alles Echthaar-Perücken. Aber leider nicht von den Originalen“, sagt Kemmerling und lacht.

Premiere im Hänneschen-Theater

Lückerath, Priess und Keyborder Andreas Wegener, die zur Premiere gekommen waren („ Die anderen Kollegen sind noch in Urlaub“) konnten vor Beginn der Vorstellung ihre hölzernen Ebenbilder begutachten und waren begeistert.  „Un wat singe mer den jetzt zosamme?“, fragte Lückerath unch machte gleich einen Vorschlag: „Do simmer dobei .?.?.“ Unter den Liedern, die Müller für das Stück zusammengestellt hatte, war auch ein Titel, den die BläckFööss (Lückerath: „Das hatte sich nie ergeben“) noch nie live gesungen hatten: „Her domet. Aller för mich un nix för Üch.“ Dieses Lied passe einfach, so Müller, „richtig gut zu dem raffgierigen Schäl“. Von den Neuinterpretationen ihren Lieder waren die drei Fööss sehr angetan. Die Puppenspieler singen toll und die Band um den musikalischen Leiter Wolfgang Schmitt steuere eine gute Musik bei, war man sich einig.

Ensemble soll verjüngt werden

Das Ensemble soll verjüngt werden. Rund 30 Bewerber haben sich in den vergangene Monaten als mögliche Nachfolger von Peter Ulrich - der langjährige Schäl-Darsteller ist in der vergangenen Woche in Rente gegangen – und Inge von der Lohe (Zänkmanns Kätt), die im Oktober altersbedingt das Theater verlassen wird, vorgestellt.

Der Herren haben bereits vorgesprochen und zwei Kandidaten sind in der engeren Wahl übrig geblieben. „Die arbeiten nun im September zur Probe mit“, sagt Intendantin Frauke Kemmerling. „Danach wird entschieden.“ Haben auch beide eine Chance? „Jein. Allerdings werden ja in den nächsten Jahren mehrere Stellen frei.“ Acht interessierte Damen werden in dieser Woche zur Vorsprechen erwartetet.

Als Nachfolger von Ulrich wurde Udo Müller (Tünnes) zum Vize-Intendanten berufen. Gespielt wird der Schäl künftig in den Abendstücken von Walter Oepen und in den Kinderprogrammen von Stefan Merten. Da der Förderverein des Hänneschen-Theaters 25 500 Euro als Zuschuss zu Produktionskosten sowie zur Modernisierung der Licht- und Tontechnik beigesteuert hat, gibt es jetzt neue Mikrofon-Headsets für alle Puppenspieler. Kemmerling: „So wird die Tonqualität im Saal deutlich verbessert.“ (NR)

Zum Inhalt: Um der wohlhabenden, älteren Dame Annemarie von Steinreich zu imponieren und vor allem  um an ihr Geld zu kommen, will Hausbesitzer Schäl (Walter Oepen) sein marodes Mietshaus am Deutzer Rheinufer abreißen lassen und mit einem arabischen Investor durch ein riesiges Luxushotel in Form eines Kölschglases Hotel ersetzen. Doch die Mieter des Altbaus  wie der Arzt Dr. Pillemann, die Liebesdame Rita Schnell – einer ihrer Kunden entpuppt sich als  Heino – und ein schwules Paar (ganz köstlich: eine Miniversion von Harald Glöckler) wehren sich, angeführt vom Hänneschen (Jacky von Guretzky-Cornitz), gegen den Abriss.

Hilfe für Hänneschen

In der Kaffeebud von Bestemo Marizebell werden die Pläne geschmiedet. Hilfe kommt von Hänneschens „eeschter Fründin“. Das Meiers Kättchen hat tatsächlich den Webers Matthes geheiratet und makelt nun mit Immobilien. Durch privatem Klüngel mit einem städtischen Verwaltungsbeamten erwirkt sie, dass das alte Haus unter Denkmalschutz gestellt und somit nicht abgerissen werden darf.

Dem Ensemble war die Freude am Spiel deutlich anzumerken. Auch  wenn einige Pointen schon etwas abgehangen waren, wurde das durch freche Dialoge und herrliche Schimpfwörter wett gemacht. Die reiche Dame wurde zur „ahl Schabrack“, der Pastor zum „liturgischen Blindgänger“ und vor allem Zänkmanns Kätt (Inge von der Lohe) mischte in jedem Klatsch und Tratsch lautstark mit, hat für alle Akteure um sie herum das passende Schimpfwort parat. Ganz entsetzt reagierte   sie,   als sie vom Hänneschen mal einen zurück kriegte,  und rauntze den dann an: „Boah, wat bes du jewöhnlich.“ Das macht Stimmung im Publikum.

Dazu sorgten viele Details für zusätzliche Aha-Effekte. So eine Chorgesang des Rattenpacks, ein singender Vollmond über dem Kölnpanorama, eine Drehbühne im zweiten Akt, die Einblicke in einzelne Wohnungen des Mietshauses bot, sowie die Verkleidungsaktion der Knollendorfer, die, um den Schäl auszutricksen, als vermeintliche Araber aufmarschierten. Da steuerte der Tünnes die passende Begrüßung bei: „Salami Basilikum“

31. August 2013, von Norbert Ramme